Checklisten zur Schadensvermeidung

Checklisten unterstützen den Biogas-BHKW Betrieb

Checklisten unterstützen den Biogas-BHKW Betrieb

Betreiber haben alle Hände voll zu tun, damit ihre Biogasmotoren-BHKWs störungsfrei laufen. Dass sie dies leider nicht tun, ist hinlänglich bekannt. Daher tragen wir alle nützlichen Erfahrungen und Expertise zusammen, um daraus für Betreiber Praxistips in Form von einfach zu handhabenden Checklisten zu erstellen.

Das für Betreiber im Alltag wichtigste Thema ist die laufende Überwachung der Betriebsparameter, die einen störungsfreien Betrieb ermöglichen. dazu zählen z.B. die Temperaturen des Kühlwassers, des Schmieröles und des Gemisches sowie die Abgas- und Brennraumtemperaturen. Laufen diese Temperaturen aus dem zugelassenen Toleranzfeld, drohen Betriebsunterbrechungen und teure Reparaturen. Für Spezialisten zeigen sie auch auf mögliche Fehlerursachen, erfordern aber zumeist weitere Maßnahmen zur Fehlereingrenzung.

Die gilt auch für weitere Betriebsparameter wie Störstoffe im Biogas und die Ergebnisse der Schmierölanalyse, die ebenfalls regelmäßig gemessen werden müssen. Sie sind sichere Früh-Indikatoren für  drohende Motorschäden.

Checklisten auch zur Prüfung der Anlageninstallation

Mit der Überwachung der Betriebsparameter ist es leider nicht getan, um sich vor Schäden zu schützen. Die ersten Datenaufnahmen in Biogas-BHKWs unserer Mitglieder haben eine Reihe von Mängeln im Aufbau der Biogas-BHKWs gezeigt, die sich in zwei Gruppen unterteilen lassen:

  1. Fehlerhaftes Engineering der Komponenten zum eingesetzten Biogasmotor, z.B.

    • Zu klein bemessene Wärmetauscher
    • zu schwache Ausführung des Fundamentes, unstabiler ,dem Aggregategewicht nicht standhaltender Containerboden
    • unzureichende Containerbe- und Entlüftung, die nicht den Vorgaben des Motorenherstellers entsprechen, etc.
  2. Fehlerhafte Realisierung des geplanten Biogas-BHKW, z.B.

    • falsch angebrachte Entlüftungen an Kühlern,
    • nicht an die Motorsteuerung angeschlossene Wassermangelsicherungen
    • keine ausreichende Steuerung, besser Regelung, der Ansauglufttemperatur über die Jahreszeiten, etc.
    • unzureichende Kühlleistung wegen zu naher Montage an heißen Bauteilen wie Abgasturbolader etc. und räumlicher Enge
    • Scheuerstellen stromführender Messleitungen
    • mangelhafte Ausrichtung von Motor und Generator und ihre fehlende Überwachung durch regelmäßige Messung
    • Wirkungslose Motorlagerung durch „auf Block“ gesetzte Dämpfungselemente etc.

Erschwerend kommt hinzu, dass Motorenhersteller aufgrund des Wettbewerbsdruckes und der einseitigen Orientierung auf möglichst hohe Wirkungsgrade konstruktive Sorgfalt haben vermissen lassen. Die ging und geht heute immer noch stark zu Lasten der Zuverlässigkeit der Biogasmotoren.

Damit Betreiber für ihren eigenen Verantwortungsbereich (einfache Wartungs- und Kontrollmaßnahmen) und für den Aufgabenbereich externer Serviceteams für aufwändigere Wartungs- und Reparaturaufgaben besser gewappnet sind , erhalten sie Hinweise zur eigenen Umsetzung und die wichtigen Fragen für die Arbeitspakete der notwendigen Spezialisten.

Mitglieder finden im Downloadbereich nun auch eine Rubrik „Checklisten“, die wir kontinuierlich erweitern. Vor dem Hintergrund der geplanten Laufzeit der Biogasmotoren müssen Betreiber die zum Teil schwerwiegenden Kinderkrankheiten möglichst schnell abstellen, um einen wirtschaftlichen Betrieb wiederherzustellen. Wir wollen Sie dabei unterstützen, dass dies kostengünstig und mit nachhaltigem Effekt geschehen kann.

Veranstaltungshinweis: Einladung zur Fachtagung Biogas in SH

Die Landwirtschaftskammer Schleswig Holstein lädt ein zur „Fachtagung Biogas in Schleswig Holstein 2014“. Details zur Veranstaltung, zu den Themen der Vorträge und zur Anmeldung entnehmen Sie bitte dem Flyer .

Motor-Talk in Gönnebek mit wichtigen Erkenntnissen für Betreiber

Motor-Talk für Biogasmotoren-Betreiber

Motor-Talk für Biogasmotoren-Betreiber

Die durchgeführten Optimierungsmaßnahmen an zwei Biogas BHKWs waren Inhalt des ersten Motor-Talks, der am 20.3. 2014 in Gönnebek mit 14 Betreibern von Biogasanlagen aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern stattfand. Peter Krabbe, Geschäftsführer des Erstes Fahrenhorster Biomassekraftwerk GmbH&Co KG, und Joachim Sommer, Betriebsleiter der Biogasanlage, stellten die Schadenshistorie und die durchgeführten Anlagenverbesserungen vor.

Diskussion über Betriebsdaten

Diskussion über Betriebsdaten

Der Teilnehmerkreis diskutierte die Maßnahmen vor dem Hintergrund der eigenen Anlagenerfahrungen. Dabei gab es viele konkrete Anregungen für die Besucher, an ihren eigenen Anlagen Details für einen zuverlässigeren Betrieb zu verändern. Es wurde deutlich, dass der jeweilige Wissensstand zu einzelnen Themenbereichen sehr unterschiedlich ist. Dies gilt auch für  Produktweiterentwicklungen, die der Motorenhersteller im Rahmen von Modellpflegemaßnahmen in seinen technischen Richtlinien publiziert. Hier ist oft ein nicht lückenloser Transfer vom Hersteller über den Packager zum Betreiber festzustellen.

Die durchgeführten Optimierungen wurden in einem ausführlichen Skript beschrieben, das den Teilnehmern bereitgestellt wurde und im Downloadbereich für jedes Mitglied verfügbar ist.

Diese Themen wurden u.a. diskutiert:

  • Ansaugluftfilterung und Temperierung
  • Biogasfilterung und -Temperierung
  • Motorlagerung und spannnungsfreie Montage von Kompensatoren
  • Schmieröl-Temperierung
  • Schwingungsschäden Motorgestell
  • Eingesetzte Messtechnik

Im Zusammenhang mit der Messtechnik gab es Fragen zu hinreichend genauen Wirkungsgradmessungen bei Biogasmotoren. Die unterschiedlichen Einflussfaktoren und die zum Teil  aufwendige Messtechnik erleichtern in der Praxis nicht gerade die Durchführung dieser Messungen. Der Vergleich gemessener Wirkungsgrade über die Zeit ermöglicht zumindest die grobe Beurteilung von einzelnen durchgeführten Maßnahmen.

Motor-Talk an zwei Biogas-BHKWs

Motor-Talk an zwei Biogas-BHKWs

Mehrere Betreiber äußerten den Wunsch, den technischen Anlagenstatus nach dem neuesten Stand der Technik von neutralen Dritten überprüfen zu lassen. Dies können am ehesten Gutachter und Sachverständige abbilden, die dann auch auf die technische Dokumentation der Hersteller und Packager zugreifen müssten. Unsere Mitglieder greifen vereinzelt auf derartige Spezialisten zurück, um spezielle Einstellungsarbeiten an Motoren vornehmen zu lassen. Wirtschaftlich sinnvoll ist der Einsatz dieser Spezialisten unseres Erachtens dann, wenn sie an bestimmten Brennpunkt-Themen des Biogasmotors arbeiten, die in Verbindung mit Schadensprävention oder  atypisch hohen Betriebskosten stehen. Wir werden mit den uns bekannten Spezialisten über einen Biogasmotoren -Anlagen – Check sprechen. Und natürlich über seine wirtschaftliche Umsetzbarkeit.

Für juristische Klärungen zwischen Betreibern und Packagern bzw. Motorenherstellern konnten wir in einzelnen Fällen bereits auf Rechtsanwaltskanzleien verweisen, die auf diese Themen spezialisiert sind und die entsprechende Branchenerfahrung haben.

Auch im Bereich Serviceverträge gibt es aus Sicht der Betreiber Handlungsbedarf. Die vorhandenen Verträge lassen es oft an Transparenz und fairer Verteilung von Rechte und Pflichten missen. Die Prüfung der vorhandenen Serviceverträge auch mit Blick auf  die wirtschaftlichen Konsequenzen für Betreiber wird helfen, die Bandbreite dieser Verträge zu erfassen und Vorschläge für akzeptable Vertragsmuster zu erstellen, wie es in anderen Branchen bereits üblich ist.

Um das Hintergrundwissen der Betreiber zu betriebstechnischen Themen ihrer Biogasmotoren zu stärken, bereitet IG Biogasmotoren einzelne Themen so auf, dass dies von den Betreibern mit den involvierten Dienstleistern auf Relevanz geprüft und dann auch gegebenenfalls mit passenden Abhilfemaßnahmen umgesetzt werden kann.

Die Teilnehmer dieses Motor-Talks waren rundherum zufrieden mit diesem Veranstaltungsformat, haben gute Vorschläge und Anregungen gegeben, um die Mitglieder als Betreiber in ihrer täglichen Arbeit im Biogas-BHKW zu unterstützen und freuen sich auf die nächste Veranstaltung.