Risiken und Chancen von Biogas-BHKWs

Biogas-BHKWs mit Risiken und Chancen

Das diesjährige Fachsymposium Biogasmotoren am 11. Mai in Büdelsdorf und am 12. Mai 2022 in Rotenburg (Wümme) stand in seinem ersten Themenblock ganz im Zeichen der Risiken und Chancen, die Biogasanlagen-Betreiber gerade erleben. Auf der einen Seite sind dies Kostensteigerungen auf den Beschaffungsmärkten, zum Beispiel für Substrate. Auf der anderen Seite erleben diejenigen Betreiber von Biogasanlagen, die flexibel fahren, erfreuliche starke Stromerlöse aus der bedarfsgerechten Stromerzeugung. Wer seine Biogasanlage kräftig überbaut  und ausreichend Gas- und Wärmepufferspeicher errichtet hat, kann die Potenziale des Strommarktes derzeit voll ausschöpfen. Auch die steigende Nachfrage nach “grüner Wärme” stärkt die Erträge.

Dr. Clemens von Treurat und Partner machte in seinem Vortrag deutlich, welchem Handlungsdruck Biogasanlagen-Betreiber auf der Produktions- und Vermarktungsseite ausgesetzt sind. Landwirtschaftlichen Biogasanlagen müssen sich auf der Grundlage einer Standortanalyse Gedanken machen, ob die eigene Biogasanlage fortgeführt oder umgenutzt wird. Auch ein Ausstieg wäre im Einzelfall eine Handlungsoption.

Substratverfügbarkeit und -Kosten ebenso bedeutend wie Markterlöse für Strom und Wärme

Wirtschaftlichen Einflussfaktoren werden von den Auswirkungen der Energiekrise geprägt, die zu steigenden Energie- und Ausrüstungskosten geführt haben. Die hohe Nachfrage nach erneuerbaren Energien sorgt aber auch für gestiegene Wärme- und Stromerlöse.

Strompreisentwicklung an der Strombörse im Tagesverlauf

Quelle: Treurat & Partner, Starke PV- und Windstromproduktion lässt mittags
den Börsenstrompreis für Biogas-BHKWs unter 0 Cent/kWh rutschen.

 

Die Strompreisentwicklung an einem Tag mit starkem Wind und Sonnenschein lässt den Börsenpreis mittags unter die Nulllinie rutschen. Dies sieht frühmorgens und am späten Nachmittag anders aus, wenn die Sonne untergeht und das Angebot an Photovoltaik-Strom schwindet. Dann spielen Biogasanlagen ihre Trümpfe aus und können die Nachfragespitze am Nachmittag und Abend aus dem Gasspeicher mit hoher Leistung zu hohen Preisen bedienen. Vorausgesetzt, die Größe des Gasspeichers bremst das Biogas-BHKW nicht frühzeitig ein.

Eine Schönwetterlage mit wenig Wind und viel Sonnenschein, führt zu durchgehend hohen Strompreisen auch über den Mittag hinweg, sodass Biogasanlagen auch eine längere Zeit am Tag ihren produzierten Strom zu attraktiven Preisen vermarkten können.

Der Strommarkt zeigt, dass die erneuerbaren Energien gegenüber den fossilen wettbewerbsfähig sind. Auf die zunehmende Volatilität der Strommärkte sind hochflexible Speicherkraftwerke gut vorbereitet. Die Politik gibt noch kein klares Bekenntnis zur Unterstützung der Biogasbranche: Belastungen und Entlastungen des “Osterpaketes”  wirken indifferent. Hier wären klare Entscheidungen hilfreich für eine weitere, notwendige Investitionsbereitschaft, sodass in Verbindung mit flexiblerem Substrat-Einsatz Biogas seine Stärke im Strommarkt und für den Verkehrssektor auch mit Biomethan stärker zur Geltung bringen könnte.

Risiken und Chancen für flexible Strom- und Wärmeproduktion

Biogasanlage Bioenergie Gettorf

Quelle: Bioenergie Gettorf, Flexibel produzierende Biogasanlage mit großem Reingasspeicher

Dezentralen Biogasanlagen werden gute Zukunftschancen eingeräumt, wenn diese entweder ihre Flexibilität gut ausnutzen können oder im Verbund mit benachbarten Biogasanlagen Biomethan produzieren und für den Verkehrssektor ein Kraftstoff produzieren, der attraktiv vergütet wird.

Martin Laß von der Bioenergie Gettorf präsentierte seine Biogasanlage als regionales Speicherkraftwerk, das im flexiblen Betrieb unter Ausnutzung seiner Gas- und Wärmespeicherkapazitäten die Strompreisspitzen ausschöpft und gleichzeitig Wärmekunden versorgt.

Ausgehend von diesem Konzept wurde ein Quartierskonzept vorgestellt, das stufenweise realisiert wird und auch Anforderungen z. B. der E-Mobilität berücksichtigt. Wenn in einem Ort mehrere Ladestationen gleichzeitig E-Fahrzeuge versorgen und aufladen sollen, gerät das kommunale Stromnetz schnell an seine Leistungsgrenze. Hier kann ein Biogas-BHKW in einem lokalen Inselnetz Ladestationen leistungsstark mit grünem Strom versorgen. Das Verhältnis von Risiken und Chancen für Biogasanlagen-Betreiber verschiebt sich somit deutlich in Richtung attraktiver Marktchancen. Mit diesem Quartierskonzept bleibt die Wertschöpfung in der Region. Bürger und kommunale Einrichtungen profitieren unmittelbar von den Vorteilen grünen Stroms und grüner Wärme aus dem eigenen Ort. Auch Photovoltaik- und Windenergieanlagen sind in dieses Konzept integrierbar und fügen sich problemlos in den modularen Aufbau erneuerbarer Energieversorgung ein.

Lokale Anpassung des Quartierskonzeptes und bürgernahe Information hierüber

Die vollständig klimaneutrale Versorgung von Wohngebieten im ländlichen Raum ist heute schon technisch möglich. Selbst der öffentliche Nahverkehr und Carsharing lassen sich hier einbinden, sodass die Verkehrswende auch auf dem Lande keine Utopie mehr ist. Der Informations- und Kommunikationsbedarf bis zu den ersten Spatenstichen ist nicht zu unterschätzen. In Gettorf stillt ein Informations- und Energiewende-Büro den Informationsbedarf der Bürger. Transparenz und Antworten auf viele Bürgerfragen schaffen erst das vertrauensbildende Fundament, auf dem die nicht unbeträchtlichen Investitionen stehen und eine hohe Akzeptanz herbeiführen. Zu dem Vortrags-PDF geht es hier.