Biogas-BHKW richtig betreiben: Darauf kommt es an
Ein Biogas-BHKW muss zuverlässig Strom und Wärme erzeugen. Gleichzeitig soll es möglichst lange verfügbar bleiben und keine unnötigen Wartungs- oder Reparaturkosten verursachen.
Besonders anspruchsvoll wird das beim Flexbetrieb eines Biogasmotors. Häufigere Starts und Stopps, unterschiedlich lange Zeitscheiben und Temperaturänderungen von Außenluft, Raumluft sowie Biogas und Kühlmittel- , Gemisch- und Schmieröltemperaturen können die Belastung einzelner Komponenten erhöhen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Wie lässt sich ein Biogas-BHKW flexibel und wirtschaftlich betreiben, ohne unnötigen Verschleiß zu verursachen?
Betriebsdaten sind der Schlüssel zur Schadensprävention
Wer einen Biogasmotor sicher betreiben möchte, sollte nicht erst auf eine Störmeldung warten.
Wichtige Betriebsdaten müssen regelmäßig erfasst, gespeichert und ausgewertet werden. Dazu können beispielsweise Temperaturen, Drücke, Ölverbrauch und weitere motor- und anlagenspezifische Kennwerte gehören.
Entscheidend ist dabei weniger der einzelne Messwert als seine Entwicklung über einen längeren Zeitraum.
Steigt beispielsweise der Ölverbrauch kontinuierlich an oder verändert sich ein Temperaturwert dauerhaft, kann dies ein Hinweis auf eine beginnende Veränderung im Motorzustand sein.
Je früher solche Veränderungen erkannt werden, desto größer ist der Handlungsspielraum.
Flexbetrieb verändert die Belastung des Motors
Ein Biogasmotor im Grundlastbetrieb arbeitet unter anderen Bedingungen als ein Motor, der regelmäßig gestartet, abgestellt und in zwei Zeitscheiben am Tag betrieben wird.
Im Flexbetrieb müssen deshalb unter anderem folgende Punkte betrachtet werden:
- Anzahl und Häufigkeit der Starts und Stopps
- Anfahr- und Abfahrvorgänge
- Start- und Abfahr-Rampen
- Kühlkreislauftemperaturen und
- Schmierung und Ölversorgung
- Gasqualität und Gasaufbereitung
- Wärmemanagement
- Zustand und Belastung wichtiger Motorenkomponenten
Dabei gilt: Ein wirtschaftlich attraktiver Fahrplan ist auch dann ein technisch optimaler Fahrplan, wenn die Betriebstemperaturen beim Start stimmen. Dies gilt auch für die Biogasaufbereitung.
Ein automatisierter Flexfahrplan berücksichtigt die Wetterdaten, Börsenstrompreise und Gasspeicherfüllstände für die geplante Zeitscheibe. Zum Startzeitpunkt stehen dann die richtigen Temperaturen der Kühlkreisläufe und der Biogasaufbereitung zur Verfügung. Und müssen sich nicht erst verschleißfördernd langsam in der Aufwärmphase des Biogasmotors einstellen.
Motorschäden entstehen selten aus nur einer Ursache
Ein weiterer wichtiger Punkt der Schadensprävention: Bei einem Biogas-BHKW greifen viele Systeme ineinander.
Verändert sich beispielsweise die Gasqualität, kann dies Auswirkungen auf die Verbrennung haben. Eine veränderter Verbrennungdablauf kann wiederum Temperaturen und weitere Betriebsparameter beeinflussen und zu Schäden führen.
Deshalb reicht es häufig nicht aus, bei einer Auffälligkeit nur den unmittelbar betroffenen Messwert zu betrachten. Der Biogasmotor äußert sein “Unwohlsein” mit Warn- und Störmeldungen, die nicht immer auf die zugrundeliegende Ursache hinweisen.
Gute technische Betriebsführung betrachtet daher Wirkungszusammenhänge von bereitgestellter Ansaugluft und Biogas mit ihren Zustandsgrößen bis hin zur produzierten Strom- und Wärmeauskopplung.
Mitarbeiter müssen wissen, wann sie handeln müssen
Auch die beste Messtechnik hilft wenig, wenn niemand weiß, was diese Informationen aussagen und welche Konsequenzen zur Schadenvermeidung notwendig sind.
Anlagentechniker sollten deshalb klare Antworten auf vier Fragen haben:
- Was ist täglich zu kontrollieren?
- Wann sind Veränderungen einzelner Messwerte auffällig?
- Wie ist darauf zu reagieren?
- Wann muss der Servicepartner eingeschaltet werden?
Eine solche Routine macht den BHKW-Betrieb übersichtlicher und reduziert die Gefahr, dass sich kleine Veränderungen unbemerkt zu größeren Problemen entwickeln.
Schadensprävention beginnt vor der Störung
Ein zuverlässiger Biogas-BHKW-Betrieb bedeutet nicht, jede Störung möglichst schnell zu beseitigen.
Besser ist es, Störungen und Schäden möglichst früh in der Entwicklung zu erkennen und dann ganz zu vermeiden.
Dafür braucht es drei Dinge:
Überblick: Wichtige BHKW-Betriebdaten werden regelmäßig kontrolliert.
Bedeutsamkeit: Auffälligkeiten werden von unwichtigen Veränderungen unterschieden.
Frühes Gegensteuern: Veränderungen werden erkannt, bevor daraus ein größerer Schaden entsteht.
Gerade im Flexbetrieb wird diese systematische Vorgehensweise immer wichtiger. Die starke Überbauung der flexibilisierten BHKWs führt zu kurzen Zeitscheiben von 1 bis 3 Stunden am Morgen und am späten Nachmittag und zu längeren Stillstandszeiten mittags und nachts, was einen ebenso hohen Aufmerksamkeitslevel erfordert wie im Grundlastbetrieb.
Fazit: Flexibel fahren – aber technisch kontrolliert
Ein Biogas-BHKW muss nicht zwangsläufig schneller verschleißen, nur weil es flexibel betrieben wird. Entscheidend ist, wie der Flexbetrieb umgesetzt und überwacht wird. Dabei spielen die Betriebstemperaturen im Biogas-BHKW inklusive der Biogasaufbereitung eine entscheidende Rolle.
Wer Betriebsdaten konsequent nutzt, Verschleißtrends erkennt und seine Mitarbeiter für kritische Betriebszustände sensibilisiert, schafft die Voraussetzungen für einen zuverlässigen und wirtschaftlichen BHKW-Betrieb auch im Flexbetrieb.
Das Ziel ist, den Motor in den optimal errechneten Zeitscheiben für optimalen wirtschaftlichen Ertrag so zu betreiben, dass er unter Betriebsbedingungen im zulässigen Betriebskorridor läuft. Wichtig ist auch die frühzeitige Erkennung von Trendabweichungen der Betriebsdaten.
Sie möchten den Flexbetrieb Ihres Biogas-BHKWs sicherer machen?
In einer praxisorientierten BHKW-Schulung lernen Betreiber und Mitarbeiter, welche Betriebsdaten wirklich wichtig sind, welche Veränderungen auf mögliche Probleme hinweisen und wie sie rechtzeitig reagieren können.
So wird aus einer Vielzahl von Messwerten eine konkrete Grundlage für die tägliche technische Betriebsführung – mit dem Ziel: Schäden vermeiden, Verfügbarkeit erhöhen und unnötige Kosten reduzieren.
