Risikotransfer für Betreiber von Biogas-Blockheizkraftwerken

Nicht nur im Zuge einer geplanten Flexibilisierung von Biogas-Blockheizkraftwerken kommen Betreiber mit dem Thema Risikotransfer in Kontakt: Banken und Versicherungen interessieren sich dafür, inwieweit Hersteller und Anlagenbauer zu ihren Produkten stehen und dem Betreiber Dienstleistungen zur Risikoreduktion über die geplante Laufzeit der Anlage anbieten.

Was in anderen Branchen der Investitionsgüterindustrie schon seit vielen Jahren gang und gäbe ist, findet jetzt unter dem aktuellen Marktdruck auch zunehmend Eingang in die Biogasbranche. Insbesondere müssen sich auch Biogas-BHKW-Hersteller mit diesem Thema auseinandersetzen, weil deren Schadensquoten und Ausfallkosten sowohl Versicherungen als auch Banken ein Dorn im Auge sind.

Serviceverträge gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen, diese Punkte sollten Betreiber prüfen und bewerten:

  • Serviceinhalte
  • Verteilung der Servicearbeiten (Wartung und Instandsetzung) auf die Betreibermannschaft und externes Servicepersonal
  • konkrete Leistungsausschlüsse
  • Service-Levels: wann kann Personal im Schadensfall vor Ort sein
  • Kosten der Hotline mit verfügbaren Abrufzeiten
  • Abrechnungsmodalitäten bei „closed end“ Serviceverträgen : Abrechnungsbasis Betriebsstunden oder produzierte elektrische Arbeit in Kilowattstunden
  • Mindestlaufzeiten des BHKW pro Jahr
  • Einbau von Zuteilen oder werksüberholten Teilen (z.B. Zylinderköpfe etc.)
  • Pönalen bei nicht eingehalten Service-Levels
  • kündigungsfreie Vertragslaufzeiten als Risikoschirm für den Betreiber

In Abhängigkeit von vereinbarten Vertragsinhalten ist der Versicherungsumfang abzustimmen. Mit einem intelligent geschnürten Dienstleistungspaket lassen sich Kosten sparen (z.B. im Bereich Maschinenbruchversicherung, BU-Schaden,..) und Risiken angemessen verlagern.

In Verbindung mit einer Objektfinanzierung durch den Hersteller lassen sich Flexibilisierungsprojekte auch außerhalb der eigenen Bilanz des Betreibers finanzieren.

Im Rahmen von Flexibilisierungsprojekten leistet die Interessen Gemeinschaft Biogasmotoren auch hier für Betreiber gezielte Unterstützung und bewertet sowohl die Serviceverträge von Anbietern als auch Refinanzierungen inkl. Leasingverträge.

Nachlese der Veranstaltung in Holtsee zum Thema Flexbetrieb

Flexbetrieb mit weiterem 800 kW Biogasmotor auf der BIogasanlage Dujos Holtsee

Flexbetrieb mit weiterem 800 kW Biogasmotor auf der Biogasanlage Dujos Holtsee

Der Tag der offenen Tür der Agrarservice Lass GmbH zum Thema Flexbetrieb auf der Biogasanlage Dujos Holtsee am 14. Januar 2016 fand regen Zuspruch bei Betreibern und Dienstleistern für Biogas-BHKW-Betreiber.

Die zahlreichen Gespräche mit Betreibern zu diesem Thema zeigten ein Stimmungsbild, das im wesentlichen von zwei Fragen dominiert wurde:

Wie kommt ein Betreiber zu einer wirtschaftlich tragbaren Entscheidung für eine Flexibilisierung der eigenen Anlage, die auch die refinanzierende Bank trägt? Und wie wird die geplante Flexibilisierung umgesetzt?

Die erste Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, hier spielen die technischen und wirtschaftlichen Randbedingungen des Betreibers sowie seine eigenen Zielsetzungen eine wesentliche Rolle, um zu einer Entscheidung zu kommen. Ein unabhängiger Dritter (wie z.B. die SK Verbundenergie GmbH) leistet hier wertvolle Dienste, indem alle relevanten Entscheidungskriterien aufgestellt und beurteilt werden.

Neben den Fragen nach dem geeigneten Biogas-BHKW in der passenden Größe sind Gasspeicher, Biogasaufbereitung und Erweiterung des Transformators sowie ein etwaiger Wärmespeicher  nur ein kleiner Ausschnitt der Themen, die mit berücksichtigt werden müssen, damit ein Flexkonzept „rund“ wird.

Erst wenn die Flexibilisierungs-Planung und -Entscheidung steht, die Flexibilisierung genehmigungsfähig ist und die Bank mit einer Wirtschaftlichkeitsrechnung das Konzept mit trägt, kann der Prozess der Umsetzung gestartet werden.

Die zweite Frage nach der Umsetzung der Flexibilisierungs-Planung ist nicht zu unterschätzen: im Alltag noch ein weiteres Projekt mit vielen Schnittstellen zu schultern, ist ohne externe Unterstützung für die meisten Betreiber nur sehr mühsam zu bewältigen. Daher ist die Frage von Betreibern nur allzu verständlich: wer kann sich begleitend um diesen Umsetzungsprozess kümmern?

Auf den zurückliegenden Praxisworkshops zur Flexibilisierung haben wir Antworten auf diese Betreiberfragen gegeben und konkrete Lösungswege vorgestellt, wie

  • Betreiber zu einer validen Flex-Entscheidung kommen,
  • welche Fragen in welcher Reihenfolge beantwortet werden müssen,
  • welchen Zeithorizont eine Wirtschaftlichkeitsrechnung abdecken sollte und
  • wie der Prozess der Umsetzung aussieht und wer ihn unterstützen kann.

Die nächsten Praxisworkshops zur Flexibilisierung finden am 24.2.2016 in Schwerin und am 25.2.2016 in Hannover statt, Details zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie auf unserer Website . Wir gehen davon aus, dass es an weiteren Standorten Praxisworkshops für Betreiber zum Flexbetrieb geben wird. Eine Checkliste für den Entscheidungsprozess zur Flexibilisierung steht Ihnen hier zum Download bereit.

Sabine Voiges hat im Bauernblatt am 9. Januar 2016 im Rahmen einer Sonderveröffentlichung 3 Artikel publiziert, die sich mit dem konkreten Flexibiliserungsprojekt der Biogasanlage Dujos Holtsee beschäftigen. Einen finden Sie hier unter „Qualifizierte Lösungen überzeugen immer mehr Betreiber“ , die beiden anderen Artikel von Sabine Voiges sind in unserer Rubrik Presse nachzulesen.

Flexibilisierung: Tag der offenen Tür am 14.1.2016 in Holtsee

Agrarservice Lass lädt ein zum Tag der offen Tür auf die Biogasanlage Holtsee

Agrarservice Lass lädt ein zum Tag der offen Tür auf die Biogasanlage Holtsee

Die Agrarservice Lass GmbH lädt am 14.1.2016 zum Tag der offenen Tür auf die Biogasanlage in 24343 Holtsee ein. Dieses kurz vor Weihnachten 2015 in Betrieb gegangene Flexibilisierungs-Projekt veranschaulicht eindrucksvoll das Optimierungspotenzial sanierungsbedürftiger Anlagen. Die Besucher können sich den Unterschied zwischen einem Blockheizkraftwerk und seiner Aufstellung aus dem Jahre 2004 und dem mit aktuellem Standard 2015 anschauen und sich selbst ein Urteil bilden. Details zur Veranstaltung finden Sie hier.

Agrarservice Lass stellt in ihrer Neujahrsbotschaft dar, dass eine strategisch sinnvolle Ausrichtung Ihrer Biogasanlage die Investition in die Flexibilisierung sein könne. Hierdurch werde eine Risikominierung (vor allem bei Ein-Motoren-Anlagen) erreicht und es können durch Kapazitätserweiterungen sichere Mehrerlöse bis zum EEG-Ende eingestrichen werden. Jeder Betreiber solle dabei ein individuelles Konzept für seine Anlage prüfen und auf seine Bedürfnisse abstimmen.

Die Aktivitäten im BHKW-Service hat Agrarservice Lass im letzten Jahr weiter ausgebaut und konnte die ungeplanten Stillstände bei seinen Bestandskunden weiter reduzieren. Schadensfälle hätten deutlich abgenommen und die Blockheizkraftwerke liefen zuverlässiger als zu früheren Zeiten. Erfreulich ist die Tatsache, dass es bei mehr als 50 zu betreuenden Biogas-Blockheizkraftwerken über die Feiertage hinweg keinen einzigen Notfalleinsatz gab. Dies zeige einmal mehr, dass sich proaktive Servicearbeit für den Kunden auszahle.

Trotzdem kommen zahlreiche Anlagen auch hinsichtlich ihrer ungenügenden Ausstattung in den Peripherieaggregaten (Lüftung, Kühlung, Gasaufbereitung) langsam ins störanfällige Alter. Die ersten Abgaswärmetauscher verabschieden sich, Gemischkühler oder Tischkühler bekommen Probleme. Es gibt viele Schnittstellen im Biogas-Blockheizkraftwerk, die sich im laufenden Betrieb mit Störungen bemerkbar machen können, weil bei der Errichtung der Anlage – oft durch Unkenntnis- Dinge falsch gemacht wurden. Diese auftauchenden Probleme lassen sich nach Überzeugung der Agrarservice Lass aber sukzessive abstellen.

Anläßlich des Tages der offenen Tür können Sie sich mit zahlreichen Betreibern und den involvierten Lieferanten austauschen und sich aus erster Hand informieren. Sie werden Gelegenheit haben, sowohl das ältere als auch das frisch installierte Biogas-Blockheizkraftwerk zu besichtigen. Die IG Biogasmotoren wird ebenfalls am 14. Januar 2016 vor Ort sein und Ihnen für Ihre Fragen zur Flexibilisierung zur Verfügung stehen.