Fachtagung Biogas Treurat & Partner in Sörup am 11.Dezember 2013

Biogas-Motor in Aktion

Biogas-Motor in Aktion

Zur zweiten Fachtagung Biogas in diesem Jahr von Treurat & Partner waren 85 Biogasanlagen-Betreiber gekommen, um sich über ihre praktischen Erfahrungen und erzielten wirtschaftlichen Ergebnisse auszutauschen. Der Besuch der Biogasanlage in Sürup am Morgen vor Beginn der Tagung zeigte neben der Anlagenkonzeption auch Erfahrungen mit dem Betrieb der Biogasmotoren und der Servicequalität involvierter Partner.

Nach einem Vortrag zum Thema EEG-konformer  BHKW – Anlagenerweiterung bzw. – Austausch und einem weiteren Vortrag Alternativen zum Einsatz von Mais in Biogasanlagen  mit dem Titel „Getreide-GPS und Zwischenfrüchte als Alternative zum Mais“ stellte Peter Krabbe den Verein IG Biogasmotoren kurz vor der Mittagspause den Teilnehmern vor.

Eigene leidvolle Erfahrungen in 2 Blockheizkraftwerken mit der eingesetzten Motorentechnik zeigten den Teilnehmern die Notwendigkeit auf, die vorhandenen Erfahrungen mit guten und weniger guten Servicepartnern und Motorenherstellern zu teilen, damit die Branche, wie schon in der Windenergieanlagenbranche praktiziert, rasch lernt, die Anforderungen der Biogasanlagen-Betreiber ernst zu nehmen und mit Produkt- und Serviceverbesserungen hierauf zu reagieren. Erst mit einem hinreichend großen Zahlengerüst aus dem Feld der Biogasmotoren-Betreiber würde man auch Gewicht bei Herstellern und Servicepartnern entfalten können. Die ersten Reaktionen der Hersteller auf die Vereinsgründung zeigten, dass man die Entwicklung sehr aufmerksam verfolge.

Die anwesenden Teilnehmer berichteten von ersten Versicherer-Reaktionen auf die zunehmenden Zahl von Motorschäden und die Notwendigkeit, die Hersteller und Packager mit Felddaten und geschlossenem Auftreten dazu zu bewegen, die Schwachstellen ihrer Produkte zu verbessern.

Der Vortrag von Herrn Aschmann von der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft zumThema „Herausforderungen an die BHKW Technik in der Direktvermarktung“ stellte die technischen Anforderungen an Biogasmotoren dar, zukünftig nicht nur in der Betriebsart „Vollast“ gefahren zu werde, sondern auch mit Teillastzuständen und häufigen Starts nach Stillstandsphasen umzugehen. dafür sei die heutige Biogasmotoren-Technik nicht ausgelegt, ebenso müsste die technische Betriebsführung für wechselnde Lastanforderung nachgerüstet werden.

Unterstrichen wurde die Bedeutung sorgfältiger Wartung. Anhand von Betriebsdaten konnte gezeigt werden, dass sich aufwändige Wartung rechnet, die Verfügbarkeit hoch gehalten werden könne und der Wirkungsgrad der Biogasmotoren-Anlage deutlich besser sei als bei einer eher fallweise durchgeführten Wartung.

Jahrestagung Treurat & Partner im Arbeitskreis Biogas am 28.11.2013 in Zeven

Die erste Veranstaltung der Jahrestagung im Arbeitskreis Biogas der Treurat &Partner Unternehmensberatung fand am 28. November 2013 in Zeven statt.

Zu Beginn stellte die Fa. MT Biomethan GmbH das Membranverfahren in einer Pilotanlage vor, mit dem Biogas auf Erdgasqualität aufbereitet wird. Der nachfolgende Vortrag zeigte die ersten praktischen Erfahrungen mit diesem Verfahren sowie Indikationen zu seiner Wirtschaftlichkeit.

Power-to-Gas als wichtige Zukunftsperspektive der Energieversorgung

Biogasanlagen mit BHKW zur Versorgung mit Strom und Wärme

Biogasanlagen mit BHKW zur Versorgung mit Strom und Wärme

Die Präsentation über die erste großtechnische Anlage Power-to-Gas und der Vortrag Perspektiven der deutschen Biogastechnik Power-to-Gas verdeutlichten die großen Chancen der Biogas-Anlagen im zukünftigen Energiemix aus erneuerbaren Energien eine bedeutende Rolle zu spielen, da die Speicherfähigkeit des Biogases in Verbindung mit dem Erdgasnetz als Speicher ein gute Antwort auf die Anforderung nach bedarfsgerechter Energieversorgung ist.

Größere Investition in Biogas-Anlagen erwartet

In diesem Zusammenhang ergab der Ausblick in die nahe Zukunft, dass von den Biogas-Anlagen eine Flexibilisierung ihres Energieangebotes gefordert wird, was für die technische Betriebsführung und die eingesetzte Anlagentechnik ebenfalls eine Herausforderung stellt: eine Vergrößerung der Anlagenkapazität wird einhergehen mit stärkeren Teillast- und Stillstandszeiten.

IG Biogasmotoren e.V. stellt Reduktion von Schäden und Stillstandszeiten bei Biogas-Motoren in Aussicht

Vor diesem Hintergrund stellte Michael Wentzke den rund 45 Biogas-Anlagenbetreibern den IG Biogasmotoren e.V. vor. Die schon auf dem ersten Betreibertreffen in Westerrönfeld geschilderten Erfahrungen mit Motorschäden und der Servicequalität von Packagern und Motorenherstellern wurden bestätigt. Die Zielsetzung des Vereines, Stillstandszeiten der Biogasmotoren zu reduzieren und die Betriebskosten zu senken, wurden begrüßt.

Dass dies auch die Mitwirkung der Biogas-Anlagenbetreiber notwendig macht – z.B. Bereitstellung der Schadensdaten, um konkrete Verbesserungen beim Hersteller und Packager auf der Basis von Fakten anzustoßen, stieß noch auf ein zurückhaltendes Echo. Aber ohne ausreichende Finanzierung dieser Arbeit kann die gewünschte Verbesserung im Bereich der Motorentechnik, der Ersatzteilversorgung und des Services nicht herbeigeführt werden. Die ersten Biogas-Anlagenbetreiber sind genau aus dieser Überzeugung Mitglied geworden und unterstützen die Aufbauarbeit des Vereines, der sich um die Anliegen der Biogasmotoren-Betreiber kümmert.

Betreibertreffen Biogasmotoren in Westerrönfeld zeigt Handlungsbedarf auf

1. Betreibertreffen Biogasmotoren am 21. November 2013 in Westerrönfeld

Gebrochene Hauptlagerschale

Gebrochene Hauptlagerschale

Der Vorstand der Interessen Gemeinschaft Biogasmotoren e.V. Peter Krabbe begrüßte rund 50 Biogasmotoren-Betreiber, die sich im „Schützenheim am Kanal“ eingefunden hatten. Nach einer kurzen Einführung stellten sich alle Vereinsgründer den Gästen mit ihren eigenen Biogasmotoren-Erfahrungen vor. Hans-Ulrich Martensen vom Fachverband Biogas Regionalgruppe Schleswig-Holstein rundete die Begrüßung mit dem Hinweis darauf ab, dass nun endlich eine Interessengemeinschaft der Biogasmotoren-Betreiber ins Leben gerufen wurde, die unabhängig von Herstellerinteressen die Sorgen und Nöte der Biogasmotoren-Betreiber aufgreift und praktische Problemlösungen vermittelt.

Gerissener Grundrahmen

Gerissener Grundrahmen

Die versammelten Biogasmotoren-Betreiber kammen überwiegend aus Schleswig-Holstein, jeweils 2 Vertreter waren aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu dem Treffen gestoßen. Peter Krabbe stellte gleich zu Beginn die Frage nach den eingesetzten Motorenfabrikaten und den häufigsten Motor-Schäden.

 

Eingesetzte Biogas-Motorenfabrikate und Packager , typische Motorschäden

26 Teilnehmer setzen MWM Motoren des Typs TCG 2016 in den Baureihen B (4)  und C (22) ein, 13 Teilnehmer MAN Motoren, Jenbacher 4 (Typ 412: 1 und Typ 316: 3),  Schnell 6, Daewoo Zündstrahler 1, Agrogen 1, 2G-Agenitor 4.

Auch bei den gewählten Packagern ergab sich ein vielfältiges Bild: mehrheitlich dominierten SEVA (13), Bosse & Dreyer (7) und 2G (6), aber auch Haase, Rotaria, Pro2 , Enertec, SES, MWM und Bosch waren vereinzelt vertreten.

28% der Teilnehmer lassen ihre Motoren vom Motorenhersteller, 46 % vom Packager und 26% von fabrikatsunabhängigen Serviceunternehmen warten und instandsetzen.

Auf die Frage nach den erlittenen Motorschäden gab es ein lebhaftes Echo, anbei die Fallzahlen bei den anwesenden Betreibern:

Schäden am Rahmen: 13 , davon wurde nur einer anteilig vom Hersteller bezahlt

Kubelwellenbrüche: 12

vorzeitig verschlissene Nockenwellen: 20 , nur eine hat 18.000 Betriebsstunden erreicht.

zu kurze Standzeiten der Zündkerzen:  25 Motoren , höchste Standzeit 3000 Betriebsstunden

Schäden am Zylinderkopf: 30

vorzeitig verschlissene Laufbuchsen: 15

Turboladerschäden: 17

gerissene Gemischkühler: 15

defekte Schrittmotoren: 11

gebrochene Generator-Lager:     3

Jeweils 7 Teilnehmer berichteten von zu hohem Gasverbrauch, Problemen mit dem Kühlmittel und zu hohen Motortemperaturen.

Die Teilnehmer wurden nun nach ihrer subjektiv empfundenen Zufriedenheit mit der Gärstrecke und mit dem BHKW befragt, hier die Egebnisse nach Schulnoten von 1 bis 6:

Betreiber-Bewertung                                                                     1         2         3          4        5         6

Zufriedenheit mit der Gärstrecke:                                               27%   55%     12%     6%       –        –

Zufriedenheit mit dem BHKW:                                                   3%     23%     40%   14%   17%    3%

Zufriedenheit mit dem Service Gärstrecke:                                 6%      29%    53%     6%     6%      –

Zufriedenheit mit dem Service BHKW:                                      6%      31%    35%    16%    6%    6%

Schäden gefährden Versicherbarkeit und Nachfinanzierung der Biogas BHKW

Die Teilnehmer berichteten von zunehmenden Problemen mit den Versicherern aufgrund der Schadenshäufigkeit und den damit verbundenen Stillständen. So haben in 5 Fällen Versicherer Anlagen nur mit Auflagen (im Regelfall sind dies kostenpflichtige Nachrüstungen) weiter Versicherungsschutz gewährt, 3 Versicherer haben gekündigt und in 11 Fällen sind beträchtliche Prämienerhöhungen nach Schäden vorgenommen worden.

Die Versicherungswirtschaft beklagt die hohen Schadensquoten im Biogasmotorenbereich, wie Geschäftsführer Michael Wentzke im Gespräch mit dem Leiter Technische Versicherungen eines namhaften Versicherers erfahren hat. Dieser hat genau aus diesem Grund das Gespräch mit dem IG Biogasmotoren e.V. gesucht, um gemeinsame Lösungsansätze zu erarbeiten, die Biogasmotoren wieder zu vertretbaren Prämien versicherbar machen. Derzeit gehen die Schadensquoten aller involvierten Versicherer „durch die Decke“, sodass den Betreibern eine breite Kündigungswelle im Markt drohe.

Ohne ausreichenden Versicherungsschutz gibt es auch keine Nachfinanzierung der Biogasanlagen. Der Druck auf die Betreiber wächst aus drei Richtungen: hohe Schadensquoten sorgen für Umsatzausfälle und Reparaturkosten, teurer werdende Versicherungsprämien und mit einem Fragezeichen versehene Folgefinanzierungen der Banken, die ein stark steigendes Risiko ihres Kreditengagements erwarten.

Dass die Lage der Biogasmotoren-Betreiber ernst und angespannt ist, zeigen auch die Anteile derjenigen, die sich im Rechtsstreit mit Motorenherstellern oder Packagern befinden oder im Beweissicherungsverfahren stehen: 28% der versammelten Betreiber klagen bereits, 22 % erwägen dies zu tun.

Betreiber unzufrieden mit dem Verhalten von Motoren-Herstellern und Packagern

Die Teilnehmer beklagen ebenfalls, dass keine Inbetriebnahme fehlerfrei verlaufen sei. Lieferanten müssten mit Einbehalten gezwungen werden, ihre zugesagten Leistungen ordnungsgemäß zu erbringen. Hersteller setzten die Betreiber oftmals unter Druck und verlangten bei Einsatz von Fremd-Servicepartnern hohe Gebühren für Einstellarbeiten, die einen dafür geeeigneten Dongel erforderlich machen.

Die geschilderten Biogasmotoren-Probleme und das Verhalten der Lieferanten gegenüber Biogasmotorenbetreiber machen deutlich, dass Handlungsbedarf und beträchtliches Optimierungspotenzial vorhanden sind, um die Verfügbarkeit der Anlagen zu erhöhen und ihre Kosten zu senken.

Peter Krabbe konnte unter anderem auch mit einer Vergleichsrechnung am Ende der Veranstaltung die ersten Betreiber als neue Mitglieder gewinnen, denn die Kosten der jährlichen Mitgliedschaft sind niedriger als ein Ausfalltag an Umsatzeinbuße verursacht. Nach Überzeugung der IG Biogasmotoren e.V. lassen sich deutlich mehr Ausfalltage und hohe Reparaturkosten vermeiden. Was konkret zu tun sein wird, zeigt der Verein aus seiner Zusammenarbeit mit externen Partnern und den Erfahrungen seiner Mitglieder den Betreibern  auf und wird so für eine deutliche Verbesserung der heute beklagten Situation der Biogasmotoren-Betreiber sorgen.