Betreibertreffen Biogasmotoren in Westerrönfeld zeigt Handlungsbedarf auf

1. Betreibertreffen Biogasmotoren am 21. November 2013 in Westerrönfeld

Gebrochene Hauptlagerschale

Gebrochene Hauptlagerschale

Der Vorstand der Interessen Gemeinschaft Biogasmotoren e.V. Peter Krabbe begrüßte rund 50 Biogasmotoren-Betreiber, die sich im „Schützenheim am Kanal“ eingefunden hatten. Nach einer kurzen Einführung stellten sich alle Vereinsgründer den Gästen mit ihren eigenen Biogasmotoren-Erfahrungen vor. Hans-Ulrich Martensen vom Fachverband Biogas Regionalgruppe Schleswig-Holstein rundete die Begrüßung mit dem Hinweis darauf ab, dass nun endlich eine Interessengemeinschaft der Biogasmotoren-Betreiber ins Leben gerufen wurde, die unabhängig von Herstellerinteressen die Sorgen und Nöte der Biogasmotoren-Betreiber aufgreift und praktische Problemlösungen vermittelt.

Gerissener Grundrahmen

Gerissener Grundrahmen

Die versammelten Biogasmotoren-Betreiber kammen überwiegend aus Schleswig-Holstein, jeweils 2 Vertreter waren aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu dem Treffen gestoßen. Peter Krabbe stellte gleich zu Beginn die Frage nach den eingesetzten Motorenfabrikaten und den häufigsten Motor-Schäden.

 

Eingesetzte Biogas-Motorenfabrikate und Packager , typische Motorschäden

26 Teilnehmer setzen MWM Motoren des Typs TCG 2016 in den Baureihen B (4)  und C (22) ein, 13 Teilnehmer MAN Motoren, Jenbacher 4 (Typ 412: 1 und Typ 316: 3),  Schnell 6, Daewoo Zündstrahler 1, Agrogen 1, 2G-Agenitor 4.

Auch bei den gewählten Packagern ergab sich ein vielfältiges Bild: mehrheitlich dominierten SEVA (13), Bosse & Dreyer (7) und 2G (6), aber auch Haase, Rotaria, Pro2 , Enertec, SES, MWM und Bosch waren vereinzelt vertreten.

28% der Teilnehmer lassen ihre Motoren vom Motorenhersteller, 46 % vom Packager und 26% von fabrikatsunabhängigen Serviceunternehmen warten und instandsetzen.

Auf die Frage nach den erlittenen Motorschäden gab es ein lebhaftes Echo, anbei die Fallzahlen bei den anwesenden Betreibern:

Schäden am Rahmen: 13 , davon wurde nur einer anteilig vom Hersteller bezahlt

Kubelwellenbrüche: 12

vorzeitig verschlissene Nockenwellen: 20 , nur eine hat 18.000 Betriebsstunden erreicht.

zu kurze Standzeiten der Zündkerzen:  25 Motoren , höchste Standzeit 3000 Betriebsstunden

Schäden am Zylinderkopf: 30

vorzeitig verschlissene Laufbuchsen: 15

Turboladerschäden: 17

gerissene Gemischkühler: 15

defekte Schrittmotoren: 11

gebrochene Generator-Lager:     3

Jeweils 7 Teilnehmer berichteten von zu hohem Gasverbrauch, Problemen mit dem Kühlmittel und zu hohen Motortemperaturen.

Die Teilnehmer wurden nun nach ihrer subjektiv empfundenen Zufriedenheit mit der Gärstrecke und mit dem BHKW befragt, hier die Egebnisse nach Schulnoten von 1 bis 6:

Betreiber-Bewertung                                                                     1         2         3          4        5         6

Zufriedenheit mit der Gärstrecke:                                               27%   55%     12%     6%       –        –

Zufriedenheit mit dem BHKW:                                                   3%     23%     40%   14%   17%    3%

Zufriedenheit mit dem Service Gärstrecke:                                 6%      29%    53%     6%     6%      –

Zufriedenheit mit dem Service BHKW:                                      6%      31%    35%    16%    6%    6%

Schäden gefährden Versicherbarkeit und Nachfinanzierung der Biogas BHKW

Die Teilnehmer berichteten von zunehmenden Problemen mit den Versicherern aufgrund der Schadenshäufigkeit und den damit verbundenen Stillständen. So haben in 5 Fällen Versicherer Anlagen nur mit Auflagen (im Regelfall sind dies kostenpflichtige Nachrüstungen) weiter Versicherungsschutz gewährt, 3 Versicherer haben gekündigt und in 11 Fällen sind beträchtliche Prämienerhöhungen nach Schäden vorgenommen worden.

Die Versicherungswirtschaft beklagt die hohen Schadensquoten im Biogasmotorenbereich, wie Geschäftsführer Michael Wentzke im Gespräch mit dem Leiter Technische Versicherungen eines namhaften Versicherers erfahren hat. Dieser hat genau aus diesem Grund das Gespräch mit dem IG Biogasmotoren e.V. gesucht, um gemeinsame Lösungsansätze zu erarbeiten, die Biogasmotoren wieder zu vertretbaren Prämien versicherbar machen. Derzeit gehen die Schadensquoten aller involvierten Versicherer „durch die Decke“, sodass den Betreibern eine breite Kündigungswelle im Markt drohe.

Ohne ausreichenden Versicherungsschutz gibt es auch keine Nachfinanzierung der Biogasanlagen. Der Druck auf die Betreiber wächst aus drei Richtungen: hohe Schadensquoten sorgen für Umsatzausfälle und Reparaturkosten, teurer werdende Versicherungsprämien und mit einem Fragezeichen versehene Folgefinanzierungen der Banken, die ein stark steigendes Risiko ihres Kreditengagements erwarten.

Dass die Lage der Biogasmotoren-Betreiber ernst und angespannt ist, zeigen auch die Anteile derjenigen, die sich im Rechtsstreit mit Motorenherstellern oder Packagern befinden oder im Beweissicherungsverfahren stehen: 28% der versammelten Betreiber klagen bereits, 22 % erwägen dies zu tun.

Betreiber unzufrieden mit dem Verhalten von Motoren-Herstellern und Packagern

Die Teilnehmer beklagen ebenfalls, dass keine Inbetriebnahme fehlerfrei verlaufen sei. Lieferanten müssten mit Einbehalten gezwungen werden, ihre zugesagten Leistungen ordnungsgemäß zu erbringen. Hersteller setzten die Betreiber oftmals unter Druck und verlangten bei Einsatz von Fremd-Servicepartnern hohe Gebühren für Einstellarbeiten, die einen dafür geeeigneten Dongel erforderlich machen.

Die geschilderten Biogasmotoren-Probleme und das Verhalten der Lieferanten gegenüber Biogasmotorenbetreiber machen deutlich, dass Handlungsbedarf und beträchtliches Optimierungspotenzial vorhanden sind, um die Verfügbarkeit der Anlagen zu erhöhen und ihre Kosten zu senken.

Peter Krabbe konnte unter anderem auch mit einer Vergleichsrechnung am Ende der Veranstaltung die ersten Betreiber als neue Mitglieder gewinnen, denn die Kosten der jährlichen Mitgliedschaft sind niedriger als ein Ausfalltag an Umsatzeinbuße verursacht. Nach Überzeugung der IG Biogasmotoren e.V. lassen sich deutlich mehr Ausfalltage und hohe Reparaturkosten vermeiden. Was konkret zu tun sein wird, zeigt der Verein aus seiner Zusammenarbeit mit externen Partnern und den Erfahrungen seiner Mitglieder den Betreibern  auf und wird so für eine deutliche Verbesserung der heute beklagten Situation der Biogasmotoren-Betreiber sorgen.